Ergotherapie: Häufige Fragen

Gibt es Ergotherapie nur auf Rezept vom Arzt?

Grundsätzlich kann Ergotherapie nur auf Verordnung eines Arztes erfolgen und wird dann von der Krankenkasse erstattet. Ergotherapie gehört wie die Physikalische Therapie/Physiotherapie (z.B. Krankengymnastik, Massagen), die Logopädie (Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) und die Podologische Therapie (Medizinische Fußpflege) zu den verordnungsfähigen Heilmitteln. Heilmittel sind spezielle Behandlungsverfahren, die nur von entsprechend qualifizierten Therapeuten ausgeführt werden dürfen. Ein Heilmittelkatalog definiert alle erstattungsfähigen Heilmittel. Der Katalog legt fest, welche Heilmittel von den Ärzten bei entsprechender Indikation zu welchem Umfang verordnet werden können und dann von den Krankenkassen erstattet werden.

Zunehmend werden von Heilmittelerbringern aber auch Kurse zur Prävention und Gesundheitsförderung angeboten. In diesen Kursen werden Angebote zur Förderung und Vorsorge gemacht, die nicht im Heilmittelkatalog aufgeführt sind. Dies können bei Kindern z.B. Kurse zur Förderung der Schulreife (Umgang mit dem Stift, Konzentrationstrainings, etc.) sein, oder bei älteren Menschen beispielsweise die Sturzprophylaxe oder ein Hirnleistungstraining. Für diese Kurse ist dann keine ärztliche Verordnung nötig.

 

Die Erzieherin im Kindergarten sagt, mein Kind braucht Ergotherapie, was tun?
Die erste Anlaufstelle ist der behandelnde Arzt, also meist ihr Kinderarzt. Der Arzt entscheidet, ob eine ergotherapeutische Behandlung angezeigt ist. Ihr Kinderarzt stellt möglicherweise auch nur ein Rezept mit wenigen Terminen aus, um den ergotherapeutischen Befund abzuwarten und danach zu entscheiden, ob eine Weiterverordnung nötig ist.

 

Mein Kind hat ADHS, was macht man in der Ergotherapie?
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), ist eine psychische Störung, die bereits im Kindesalter beginnt und zu Problemen mit der Aufmerksamkeit, zu einer erhöhte Impulsivität und häufig auch zu Hyperaktivität (motorische Unruhe) führt. Die betroffenen Kinder und auch ihre Angehörigen stehen meist unter erheblichem Druck. Die Aufmerksamkeitsproblematik führt häufig zu Schwierigkeiten in der Schule. Die mangelhafte Impulskontrolle stört oft das soziale Umfeld, es kann zu Abgrenzungen bei Gleichaltrigen kommen, die Kinder zeigen meist auch Verhaltensauffälligkeiten. Gleichzeitig hat ein großer Teil der Kinder mit ADHS auch Teilleistungsstörungen, z.B. in der Fein- und Grobmotorik (beim Malen, Schreiben, Ballspielen, o.ä.) und auch die Wahrnehmungsverarbeitung von Gehörtem, Gesehenem und Gespürtem kann gestört sein, was zu Problemen mit dem schulischen Lernen führen kann.
Wegen der Komplexität der Störung wird angestrebt, verschiedene Behandlungsansätze zu einer auf den Patienten und sein soziales Umfeld zugeschnittenen Therapie zu kombinieren. Die Ergotherapie kann dabei eines der Puzzleteile sein. In der ergotherapeutischen Behandlung wird vorrangig an den Teilleistungsstörungen des Kindes gearbeitet. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Wahrnehmungsverarbeitung, der Grob- und Feinmotorik und  der schulischen Fertigkeiten. Mit Hilfe von Konzentrations- und Aufmerksamkeitstrainingsprogrammen (z.B. Marburger Konzentrationstraining, Aufmerksamkeitstraining nach Lauth & Schlottke, u.a.), Elterntrainings und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen (z.B. IntraActPlus-Konzept) kann aber auch in der Ergotherapie an den Hauptsymptomen der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung gearbeitet werden.

 

Wieso muss ich noch so viel zu meinem Ergotherapierezept dazu bezahlen?

Bei Heilmittelverordnungen setzt sich die Zuzahlung wie folgt zusammen:
10 € pro Rezept/Verordnung + 10% für jede in Anspruch genommene Behandlung, bei verordneten Hausbesuchen zuzüglich 10% der Hausbesuchspauschale und des Wegegeldes.

Die Zuzahlung zu einer Heilmittelverordnung betrifft alle gesetzlich Versicherten über 18 Jahre. So wurde festgelegt, dass jeder Versicherte für bis zu 2%, bei chronischen Krankheiten, wie z.B. Schlaganfall, MS, Parkinson, u.a., nur 1 %, seines Jahresnettoeinkommens selbst für seine Krankheitskosten aufkommen muss. Dies beinhaltet beispielsweise die 10€-Praxisgebühr beim Arzt, die Zuzahlungen zu Medikamenten und auch die Zuzahlung zu Heilmittelverordnungen. Sind diese 2%, bzw. 1% bei chronisch Kranken, überschritten, so erhält man eine Zuzahlungsbefreiung. Dafür müssen alle Quittungen des laufenden Jahres gesammelt und bei der Krankenkasse eingereicht werden.